Warum es so wichtig ist, auf die eigenen Bedürfnisse innerhalb der Familie zu achten

Bei uns war die letzten 4 Tage ganz schön was los: jeden Tag war Besuch für die Kinder im Haus – einmal auch über Nacht, dazu noch das Büro für meinen Mann erledigen, gefühlte 1000 mal Snacks herrichten, aufräumen (vor dem Besuch und nachher), Wäsche waschen, weil die Jungs wieder mal beim „Grüffelo-Haus“ im Wald gespielt haben, uvm.

Dazwischen Hände und Münder abwischen, schimpfen weil sie mit Socken aber ohne Schuhe in der Wiese rumlaufen, Müll aus tausend Verstecken im ganzen Haus rausklauben, Telefonate beantworten, für die Familie noch dies und das besorgen oder erledigen, mit dem Großen zwei Seiten aus dem Übungsheft der Schule (für während der Ferien) erledigen, und und und. Natürlich hatte ich in diesen Tagen auch keine Zeit, um nur eine einzige Zeile für meinen Blog zu schreiben.

Die juckende Erkenntnis

Irgendwann während dieses Tumults saß ich im Büro, schrieb Rechnungen und kratzte mich im Gesicht.

Und dann kratzte ich mich nochmal, und nochmal. Strich über meine verdickte, juckende schuppige Haut und bemerkte aufeinmal, dass ich mir seit 4 Tagen die Haut nicht eingecremt habe, obwohl ich extrem trockene und sensible Haut habe und dies eigentlich zweimal täglich erledigen sollte – teilweise öfter.

Für mehr als eine Katzenwäsche am Morgen hatte ich in den letzten Tagen keine Zeit gehabt. Wie konnte das passieren? Nun saß ich also da, mit beleidigter Haut und roten Kratzspuren im Gesicht, schnüffelte an mir und überlegte, ob ich in den ganzen letzten vier Tagen überhaupt einmal geduscht hatte (mache ich sonst täglich). Und merkte, wie der Ärger in mir aufstieg.

Erst war es Ärger auf die Kinder: die immer, mit ihrem Besuch. Dann Ärger auf den Besuch selbst: was natürlich völlig irrational war und auf keinen grünen Zweig führte. Dann Ärger über meine Familie, die gefühlte hundertmal am Tag etwas von mir erledigt haben wollte.

Als sich irgendwann in dieser Zeit mein Gehirn wieder einschaltete, bemerkte ich meinen großen Denkfehler: der Auslöser an der ganzen Misere waren weder meine Kinder, noch der Besuch, noch die Familie.

Nein. Ich selbst bin das Problem.

Ich war der Versuchung erlegen es allen recht zu machen, habe zu viele Zusagen erteilt und meine eigenen Bedürfnisse hintangestellt. Wiedereinmal war alles wichtiger als ich: Besuche meiner Kinder, Haushalt, Büro, Ansprüche an die Ordnung im Haus wenn Besuch da ist, zu viele großzügig verteilte „Ja mach ich“ an meine Familie, zu wenig Mithilfe einfordern, uvm.

Wo bleibe ich dabei?

Die Frage in diesem ganzen Dilemma ist: wo bin ich? Wo bleibe ich im Familienalltag? Müssen wirklich die Bedürfnisse aller anderen vor den meinen kommen? Habe ich meine Eigenständigkeit im Kreißsaal abgelegt und bekomme sie erst in 20 Jahren wieder? Muss ich mich wirklich aufopfern für meine Familie und meine Wünsche verleugnen, weil dafür keine Zeit mehr ist? Habe ich zu hohe Ansprüche an mich und meine Familie, die auch gerne durch perfekte Fotos auf Instagram genährt werden?

Auf jeden Fall will und kann ich so nicht leben. Ich bin vor allen Dingen ein Mensch. Eine Frau. Angelika. Dann erst bin ich „die Mama von“…, „die Frau von“…, „die Buchhaltung von…“, „die Elternvertreterin der 2. Klasse“, usw.

Doch zuerst bin ich mal ich selbst. Und obwohl ich gewissen Familienkram sehr gerne erledige, einfach weil er mir Spaß macht (kochen, basteln, vorlesen, dekorieren, Spaziergänge mit den Kindern im Wald, usw.) habe ich auch noch andere Freuden, abseits von Familie und Co.

Und so gerne ich auch helfe, meinen Kindern eine Freude mache und meine Arbeit erledige, möchte ich auch in meinen Bedürfnissen ernst genommen werden und ja: dafür verlange ich, dass mir von meiner Familie die Zeit zugestanden wird, welche ich auch ihnen für ihre Entwicklung zugestehe.

Denn wenn ich selbst nicht gut drauf bin, keine Energie mehr habe, wie soll ich dann bitte für meine Familie sorgen? Nur aus einem vollen Krug kann man einschenken.

Ein neuer Vorsatz

Zuerst ging ich also ins Bad und schmierte mir dick mein Gesicht mit guter Creme ein.

Danach nahm ich mir vor, dass soetwas nicht wieder vorkommen darf und begann einen Vorsatz zu schmieden: Me-Time im Kalender einzuplanen und auch wirklich einzuhalten.

Ich holte mir einen Stift und Zettel und begann mit einer „Ich Will“- Liste, um mir über meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche klar zu werden:

  • zum Beispiel an bestimmten Zeiten in der Woche in Ruhe an meinem Blog arbeiten
  • einmal die Woche auf dem Bauernmarkt einkaufen gehen
  • Zeit für meine morgendliche und abendliche Gesichtspflegeroutine
  • gemütliche Leseabende im großen Ohrensessel
  • ab und zu Freunde von mir einladen (und nicht immer nur die Freunde der Kinder)
  • täglich 30 Minuten in Ruhe Instagram-stöbern
  • usw.

Diese Zeiten habe ich nun zu allererst in meinem Kalender notiert.

Dann schrieb ich eine Liste mit Dingen, welche ich unbedingt immer erledigen muss und/oder die Vorrang vor allen anderem haben, weil sie mir wichtig sind:

  • zum Beispiel Geld verdienen
  • für meine Kinder dasein, wenn sie mich brauchen
  • Lebensmittel einkaufen und gesunde Mahlzeiten zubereiten
  • Hausaufgaben und lernen mit den Kindern
  • gemeinsame Zeit mit den Kindern (zB lesen, basteln, kochen, usw.).
  • usw.

Diese Dinge sind Priorität in meinem Alltag und werden so ebenfalls fix im Kalender eingeplant.

Die übrige Zeit ist quasi „freie Zeit“ und wird für allerhand Alltagskram genutzt und mehr oder weniger spontan verbraucht:

  • an zwei Nachmittagen die Woche kann Besuch für die Kinder kommen. Ich habe mir vorgenommen, nicht noch mehr zu vereinbaren, denn schließlich kommen zu diesen Spiel-Verabredungen noch andere Termine dazu:
  • Fußball Training (ist jede Woche fix) und Matches
  • Arzttermine
  • Besorgungen
  • Familienverpflichtungen (wie Geburtstage, Einladungen, usw.)
  • an mindestens einem, besser zwei, Nachmittagen die Woche wird nichts geplant. Wenn ich also schon drei Termine in der Woche vereinbart habe, werden die restlichen Tage blockiert.
  • usw.

Diese Aufteilung kommt mir momentan recht sinnvoll vor und ich werde versuchen, sie in den kommenden Wochen penibel einzuhalten, wenn nötig zu korrigieren und weiter anzupassen.

Auf jeden Fall werde ich mich bemühen, es nicht mehr so weit kommen zu lassen und achte ab nun genauer auf die Warnsignale meines Körpers.

Und wie geht es dir dabei?

Es würde mich ganz doll interessieren, wie ihr es so macht, mit der Ich-Zeit, den eigenen Bedürfnissen. Tappt ihr auch ab und zu in diese Falle? Oder seid ihr schon Profis im ME-Time freischaufeln?

Ich freue mich über eure Berichte darüber in den Kommentaren.

Alles liebe

Angelika

Kommentar verfassen