Warum du dich dir selbst gegenüber verpflichten musst

Vor kurzem habe ich gelesen, dass es nichts bringt, wenn man sich Ziele setzt. Denn es zählt ohnehin nur „der Weg dorthin“. Und weil der Autor gerade so schön in Fahrt war, verteufelte er auch gleich noch Rituale und Routinen. Weil diese – so sein Argument – genau gar nichts bringen würden und sie einen nur steif und unflexibel machen.

Dem kann ich nun wirklich nicht zustimmen. Ich bin zwar ebenfalls der Meinung, das „der Weg“ mindestens genauso wichtig ist wie das Ziel, wenn nicht sogar wichtiger im Hinblick auf das persönliche Wachstum. ABER: Ich persönlich halte Ziele ebenfalls für immens wichtig. Denn der Weg kommt nur dann zustande, wenn man weiß, wohin man will. Ohne Ziel loszugehen, bringt einen nirgendwohin. Und wenn man keinen Plan hat, wie man dahin kommt (sprich: richtige Routinen und einen Patzen Disziplin), dann strandet man auf halbem Weg im Nirgendwo.

Priorität Nr. 1: ein handfestes ziel

Darum ist es meiner Meinung nach immer noch Priorität Nummer 1 sich für ein Ziel zu entscheiden, sich zu verpflichten und dann draufloszugehen. Und ja: dann kann man diesen Weg auch genießen. Mit all seinen sonnigen Pfaden und schattigen Windungen.

Wenn wir bei der Metapher von weiter oben bleiben wollen: wenn man ohne Ziel losgeht, schlendert man einfach den ganzen Tag planlos herum. Mal hierhin, mal dahin. Und hofft, dass der Zufall einen schon wo ankommen lässt. Manchmal mag das zwar funktionieren. Aber beim Großteil von uns ist es sinnvoller, eine Landkarte im Hinterkopf zu haben. Denn Zufall und Glück sind wahrlich keine guten Ausgangspunkte für Erfolge im Leben – egal in welchem Bereich. Sie sind ungemein hilfreich, wenn sie einem passieren, aber fix damit rechnen kann man nicht. Wenn ich losgehe, will ich wissen wohin. Ich habe doch immer irgendeine Erwartung an ein Ergebnis, an ein gewünschtes Outcome. Und auch wenn mich der Weg dahin ganz wunderbar an mir selbst wachsen lässt, brauche ich doch ein Endziel um meine Motivation (zum Anfang) und meine Disziplin (ab der Mitte bis zum Ende) aufrechtzuerhalten.

Das heißt für mich ganz klar: wenn ich kein Ziel habe, sabotiere ich meinen Erfolg von Anfang an selbst. Warum harte Arbeit und Zeit investieren, wenn ich nicht weiß, was am Ende rauskommt? Wenn ich aber weiß wohin ich will, dann habe ich auch eine ungefähre Vorstellung, was mich auf dem Weg dorthin erwartet. Und dann kann ich auch den Weg an sich genießen.

Aber einfach ohne Ziel drauflosgehen: wie soll man dann jemals wissen, was man tun sollte? Wohin man sich wenden sollte? Was richtig ist und was falsch?

Routine ist nur ein anderes wort für disziplin

Und ach, die Routinen! Wo wären wir ohne Sie? Ohne Routinen werden wir nichts auf die Reihe kriegen. Denn klar ist auf jeden Fall: Netflix ist halt meistens verführerischer als das Home Office, Hausarbeit, die Steuer machen oder Laufen gehen. Aber was habe ich im Endeffekt davon? Nichts! Außer Kreuzschmerzen, müde Augen und einen Berg an Arbeit, der nicht erledigt wurde. Wohin bringt mich Netflix? Nirgendwohin. Nicht zum meiner Familie, nicht zu meinem Traumjob, nicht zu meinem Traumpartner. Einfach nirgendwohin.

Ziele und Routinen sind meiner Meinung nach das Dream Team schlechthin. Ein altbewährtes Erfolgsrezept, dass nichts an seiner Aktualität verloren hat. Denn was sind den Routinen anderes, als Disziplin im sanften Deckmäntelchen? Und die gute Nachricht ist: man kann seine Routinen immer anpassen

Die allermeisten Schriftsteller haben zum Beispiel eine Routine: sie arbeiten täglich für eine gewisse Zeit an einem Buch. Oder ihre Vorgabe ist, dass sie täglich eine gewisse Zahl an Wörtern schreiben müssen. Egal wie: sie haben eine fixe Routine, ein Ziel und haben sich verpflichtet, diese Vorgabe zu erfüllen. Für Sportler ist es ihre tägliche Übungsroutine, für Geschäftsführer vielleicht das tägliche Gespräch mit den Abteilungsleitern, usw.

Das Commitment – ein Versprechen an dich selbst

Diese Verpflichtung – das tägliche Commitment – an dein Ziel ist, wenn man so will, ein Versprechen dir selbst gegenüber. Deine Landkarte mit den jeweiligen Routenabschnitten. Wenn du ein tolles Ziel wählst, deinen 10-Punkte-Plan schreibst, wie du es erreichen willst und dann nichts machst, hast du 10 Versprechen an dich selbst gebrochen. So einfach ist das. 10 nicht erfüllte Verpflichtungen an dich selbst. Nimm also dieses Commitment ernst – genauso ernst, wie du ein Versprechen an deine Freunde oder Familie nehmen würdest.

Der Disziplin den Schrecken nehmen

Disziplin ist gar nicht so furchtbar, wie ihr Ruf. Sie ist eigentlich ganz wunderbar und man kann lernen sie zu lieben. So wie ich es lernte. Um ehrlich zu sein: die große Liebe ist es immer noch nicht bei mir. Eher eine ehrliche, auf Augenhöhe geführte, respektvolle Beziehung.

Ich weiß, dass es oft etwas angestaubt, fade und freudlos wirkt, wenn man über Disziplin spricht. Aber das ist es ganz und gar nicht. Wir brauchen Disziplin, um voranzukommen. Wir brauchen Disziplin, um unsere Routinen einzuhalten. Unsere Routinen sind quasi die Disziplin, vielleicht fällt es dir leichter sie zu wahren, wenn du dieses andere Wort dafür verwendest?

Ohne Disziplin tingeln wir ziellos durch den Alltag. Es wird nach Lust und Laune mal dies, mal jenes gemacht. Meistens nur die Sachen, die uns leicht von der Hand gehen und die wir gerne tun. Alles andere verschieben wir auf Morgen. Schließlich, am Ende des Tages, haben wir die wirklich wichtigen Dinge nicht erledigt, weil wir keine Lust dazu hatten. Haben unsere Versprechen an uns selbst gebrochen und fühlen uns mies. Und genau das wollen wir doch nicht, oder? Denn damit kommen wir nicht weiter. Niemals auf der ganzen Welt wurde ein Ziel ohne Disziplin und ohne Commitment erreicht.

Wenn du es nicht schaffst, deine Verpflichtungen einzuhalten

Dann sei auf keinen Fall streng mit dir. Du versuchst es einfach am nächsten Tag noch einmal.

Wenn du ganz sicher gehen willst, kannst du auch zum Beispiel mit Konsequenzen (diese Methode ist gerade sehr beliebt im Coachingbereich) oder Belohnungen arbeiten: wenn du nicht erreichst, was du dir vorgenommen hast, kannst du dir eine Konsequenz dafür ausdenken. Zum Beispiel: wenn du heute den Sport ausfallen lässt, musst du dafür Morgen die doppelte Strecke laufen.

Du kannst auch mit Belohnungen arbeiten: wenn du heute Sport gemacht hast, dann darfst du dir dafür ein Schaumbad einlassen. Oder du gehst auf doppelt sicher und arbeitest mit beiden gleichzeitig: die Konsequenz beim nichteinhalten und die Belohnung, wenn du es schaffst. Das ist dann letzten Endes ganz dir selbst überlassen.

Alles Liebe

Angelika

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